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Gedanken & Hintergründe zum Workshop "Asanas & Yogaphilosophie Vertiefung"

vor 3 Tagen
5 Min. Lesezeit

Eine Rückbeuge kann im Stehen oder in Bauchlage praktiziert werden. Physiologisch zweimal eine sehr ähnliche Übung. Auf der Ebene der Gunas (bioenergetische Qualitäten) und Bhutas (Elemente) jedoch zwei vollkommen unterschiedliche Übungen: für die eine Person ausgleichend, für die andere die eigenen, ungesehenen destruktiven Muster noch stärker intensivierend.


Genau darum geht es in diesem Workshop. Asanas und Yogaphilosophie, Verkörperung und subtile Struktur, Handlung und Impuls-Gedanke, Körperlichkeit und Feinstofflichkeit. Schon hier zeigt sich, dass Yoga sich in einer Lebensweise offenbart, in der Philosophie verwirklicht ist. Kein reines Denken, Sinnieren oder profanes Philosophieren, sondern Erkenntnis, die im Moment ihren Ausdruck findet. Zwei Ebenen unterschiedlicher Stofflichkeit, die das „eine Prinzip“ offenbaren.


In diesem Workshop haben wir somit eine körperliche Ebene, die Asanas, und eine subtile Ebene, die Yoga-Philosophie.


Yogi DassPrem im orangen Gewand studiert ein altes Buch zwischen Felsen und Bäumen – Yogaphilosophie als gelebte Praxis im Alltag

Asanas: Druck, Zug und Ausgleich


Die Asanas sind prinzipiell nichts anderes als Körperstellungen. Und doch bringt ein genauer Blick auf eben diese Körperhaltungen interessante Details zutage. Jede dieser Stellungen erzeugt, beispielsweise über Druck- und Zugbelastungen, sowohl in der skelettmuskulären Struktur als auch in der Organ- und Nervenstruktur spezifische Reize, die vom Gehirn registriert, verarbeitet und mit einem speziellen „Output“ / einer Handlung beantwortet werden. Dies gibt uns Menschen die Möglichkeit, vollkommen bewusst und mit Intelligenz äußere Druckbelastungen (emotional, physisch, energetisch) auszugleichen, nicht nur auf der Matte, sondern vorrangig im Alltagsleben.


Ein nervös-ängstlicher Mensch nimmt ganz bestimmte Körper- und Handstellungen ein, genauso wie ein Fußballfan, der über das so lang ersehnte Siegestor bei der Weltmeisterschaft jubelt: Er explodiert förmlich. Beide Menschen sind mit spezifischen Druckqualitäten konfrontiert, und gleichzeitig gibt es eine natürliche Neigung des Körpers, in Harmonie zu sein, im Ausgleich. Nur einatmen bringt uns um. Nur ausatmen auch. Ein in Qualität und Quantität ausgeglichener Atem bringt Harmonie. Dies ist die Welt der bhutas (Elemente), Typenlehre, bioenergetischen Qualitäten (gunas) und prana.


Die Elemente sehen


Wir studieren die Asanas nicht auf der Ebene eines Physiotherapeuten oder Spiraldynamikers, sondern lernen, die Naturelemente und ihr dynamisches Zusammenwirken sowohl in der Körperstellung als auch in den äußeren Gegebenheiten zu „sehen“. Dieses Sehen ist das Um und Auf, um Asanas im Kontext der indischen Philosophie und Heillehre, des Ayurveda, zu verstehen. Erst durch dieses Sehen wird verständlich, warum dieselbe Rückbeuge für den einen Menschen heilsam und für den anderen belastend sein kann.


Zwei weitere Landkarten der yogischen Anatomie helfen dabei: die Vayus, die zeigen, wohin eine Haltung die Kräfte im Körper lenkt, und die Koshas, die fünf Hüllen, durch die ein Asana vom grobstofflichen Körper bis in die subtilsten Schichten wirkt.


Prakriti und Vikriti: kein Alignment-Kurs


Dies bringt uns zur Guna-Prana-Lehre im Kontext der Elementelehre. Jeder Mensch wird mit einer ganz speziellen Grundkonstitution geboren, der Prakriti, sowohl auf körperlicher Ebene (dick, dünn, groß, klein, blond, rothaarig) als auch auf emotionaler Ebene (eher positiv, negativ, depressiv, freudvoll, motiviert). Und wir haben jenes Disharmonie-Harmonie-Muster, die Vikriti, das über unsere Reaktion auf die Außenwelt (physisch, psychisch, energetisch) auf uns einwirkt. Prakriti und Vikriti, also die Doshas als Zusammensetzung der Elemente, sind grundlegend für die Wahl der Asanas und die Qualität ihrer Ausführung. Dieser Workshop ist also kein Alignment-Kurs im herkömmlichen Sinn, sondern ein Ausrichtungskurs hinsichtlich der auf uns einwirkenden Kräfte und unserer eigenen Natur.


Warum Asanas nicht bewegt werden


Die Guna-Prana-Lehre ist gleichzeitig die Brücke zum philosophischen Teil dieses Workshops. In unserer Überlieferung ist das Kreuz dabei ein zentrales Symbol: Es steht für die vertikalen und horizontalen Bewegungen und Kraftqualitäten. Da die Transzendierung der Gunas selbst geschehen muss, ist das Stoppen der Bewegung ein ganz zentrales Element. Solange sich etwas bewegt, wirken die Gunas. "Erst in der Stille kann man beobachten, statt von ihnen bewegt zu werden". Deshalb werden Asanas im authentischen Hatha Yoga nie bewegt praktiziert. Patanjali beschreibt Asana als stabil und angenehm, entstanden durch das Nachlassen der Anstrengung, nicht durch Bewegung.


Genau hier blicken wir mit kritischem Geist auf moderne Yogastile wie Bikram, Iyengar, Ashtanga oder Flow Yoga. Es geht nicht darum, einen Stil schlechtzumachen, sondern vollkommen zu verstehen, was im Körpersystem geschieht, wenn wir Asanas einnehmen, egal ob still oder flowig-bewegt ausgeführt oder mit Hilfsmitteln unterstützt: welche Wirkung dies auf Doshas, Vayus und Gunas, auf Nerven- und Drüsensystem hat, und wie dies im Kontext der Quellschriften zu sehen ist, ist das zentrale Elemente des Asana-Blocks in diesem Workshop.


Asanas Philosophie Intensiv | Nov 2026
€360.00
Jetzt buchen

Yogaphilosophie: die Yogasutras Wort für Wort


Wie von meinem Guruji gelehrt, unterrichte auch ich eine Wort-für-Wort-Übersetzung der Yogasutras von Patanjali. Die Genauigkeit der Übersetzung ist von tragender Bedeutung. Offenkundig wird dies bereits bei jenem Sutra, mit dem Patanjali Yoga überhaupt definiert. Das Wort Nirodha wird im Deutschen einmal mit „Kontrolle“, dann mit „Loslassen“ und ein anderes Mal mit „Zur-Ruhe-Kommen“ übersetzt. Alle drei Übersetzungen stehen für vollkommen unterschiedliche Methoden. Doch egal welche Übersetzung: Sie muss im Kontext der weiteren Sutras gesehen werden! Spricht Patanjali also von einem „Yoga der Kontrollkraft“, einem „Yoga der Hingabe“ oder einem „Yoga der Erkenntnis“? Oder präsentieren uns die Sutras gar einen mehrfachen Weg?


Samkhya und Advaita Vedanta


Genau diese Frage führt zu den beiden philosophischen Strömungen, die wir diskutieren, und zwar mit der scharfen Klinge der Unterscheidungskraft, mit der Kunst, den Standpunkt des anderen zu erkennen, ohne Rechthaberei: Samkhya und Advaita Vedanta. Patanjalis Yoga steht dem Samkhya nahe, das zwei Prinzipien unterscheidet, das reine Bewusstsein (Purusha) und die Natur (Prakriti). Advaita Vedanta hingegen lehrt die Nicht-Zweiheit. Getrennte Wege, oder zwei Blickwinkel auf dasselbe?


Bemerkenswert ist dabei ein Wort, das uns bereits im Asana-Teil begegnet ist: Prakriti. Im Ayurveda bezeichnet es die individuelle Grundkonstitution, im Samkhya die gesamte Natur, gewoben aus den drei Gunas. Was die ganze Natur ausmacht, prägt also auch die Konstitution jedes einzelnen Menschen. Genau hier treffen die körperliche und die philosophische Ebene dieses Workshops aufeinander.


Philosophie im Alltag


Einen Punkt möchte ich besonders hervorheben. Philosophie hat nichts mit einem universitären Umfeld zu tun. Der Alltag ist das höchste Feld der Philosophie, denn Erkenntnis ist nicht an Zeit und Raum gebunden. Frei nach dem Satz „Wer Gott nicht im Kleinen sieht, sieht ihn auch nicht im Großen“: Wer Philosophie nicht in allem sieht, sieht sie auch nicht in philosophischen Hochschriften. Das bedeutet, dieser gesamte Unterrichtsblock ist im höchsten Grade einfach und aus dem Alltag gegriffen. Beispielsweise denken wir darüber nach, ob es überhaupt möglich ist, dass wir vom Geschrei eines Kleinkindes „genervt werden können", oder ob diese Deutung bereits Ausdruck einer im Nerven- und Gedankensystem integrierten Opfer-Täter-Programmierung ist: „Du bist schuld, dass ich genervt bin“ versus „Ich reagiere auf dich genervt“. Das hat eine immense Wirkung auf unser gesamtes Leben, auf die Erziehung unserer Kinder und auf den Umgang mit unseren Mitmenschen - wo wir letztendlich wieder bei den Sutras landen, mit den yamas und niyamas.


Inhalte des Workshops


  • Doshas, Gunas, Vayus und Koshas: die fünf Elemente, ihre Funktionen, Wirkungen und Dysbalancen und ihre Zuordnung zu Körperregionen, die drei Gunas und ihre Wirkweisen im Körper, die fünf Vayus und die Bedeutung der Koshas für die Asana-Praxis.

  • Asanas: die Integration der Elementelehre in die Praxis, Asana-Praxis und Typenlehre, die korrekte, individuell angepasste Ausführung, die Korrektur falsch eingelernter Muster und die Erstellung deines individuellen Asana-Plans.

  • Moderne Yogastile: Bikram, Iyengar, Ashtanga, Flow und Yin Yoga im Licht der Quellschriften und der Elementelehre.

  • Philosophie: ausgewählte Sutras aus dem ersten und zweiten Kapitel der Yogasutras, Wort für Wort, dazu Samkhya und Advaita Vedanta.

  • Frage und Antwort: deine Fragen, die sich aus deiner eigenen Praxis ergeben haben.


Voraussetzungen und Rahmen


Für diesen Workshop braucht es keine Vorkenntnisse, sehr wohl aber ein großes Interesse und eine regelmäßige eigene Asana-Praxis. Wir arbeiten in einer echten Kleingruppe mit maximal 8 Personen. Die intensive Nachbetreuung erfolgt per WhatsApp oder E-Mail, schriftlich oder per Video.


Die Vertiefung ist der zweite Teil der Workshop-Reihe „Authentischer Yoga in moderner Zeit“. Sie knüpft an den [Leitfaden zur täglichen Yogapraxis] an und bereitet den Workshop [Authentischer Pranayama] vor, denn die Asana-Praxis ist das Fundament des Pranayama.


Asanas & Philosophie Vertiefung | Burgenland 06. – 08. November 2026 | LebensWelten, Bachstraße 23, 8383 WeltenFreitag 16–20 Uhr, Samstag 9–18 Uhr, Sonntag 8–17 UhrEchte Kleingruppe, max. 8 Personen. Early Bird € 360,– bis 15.10.2026 (regulär € 420,–)Anmeldung: [lebens-welten.at/yoga/asanas-philosophie-vertiefung]


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