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Alignment der Elemente

vor 3 Stunden
4 Min. Lesezeit

Über Ausrichtung im Asana, die Elementelehre und die Intelligenz des Körpers


Ausrichtung im Asana ist ein Thema, das inzwischen fast vollständig von Disziplinen besetzt ist, die sich der äußeren Form widmen – von der Ästhetik bis zum dynamischen Zusammenspiel von Muskelketten, Knochen und Gelenken. Und das macht naturgemäß Sinn, auf physiologischer Ebene.


Die Grundlage der Asana-Praxis, selbst der modernen Variationen mit Stehpositionen, dynamischen Ausführungen und Abfolgen, mit Integration tänzerischer und kampfsportähnlicher Elemente, ist jedoch immer noch die Yoga-Philosophie von Patanjali, der Hatha Yoga Pradipika, der Shiva Samhita und der Gheranda Samhita. In diesen Schriften wird, verborgen oder wörtlich erwähnt, die Yoga-Physiologie dargelegt: die Doshas, Koshas, Gunas, Vayus und Prana. Welche Rolle sie für die Wahl und Ausführung der Asanas spielen, beschreibe ich in [Gedanken & Hintergründe zum Workshop].


Der Weg zurück


Denn die gesamte Praxis des achtgliedrigen Pfades folgt dem rückläufigen Schöpfungsprozess (pratiprasava) und kann auch als „Weg zurück“ beschrieben werden: Die Schöpfung verläuft vom Feinen zum Groben, die Praxis vom Groben zum Feinen.


Die einzelnen Systemebenen in der yogischen Physiologie sind anders als in unserem westlich-schulmedizinischen Verständnis. Das ist keine Wertung, sondern eine Frage des Blickwinkels. Die moderne Anatomie hat ihr Wissen über die Struktur des Körpers wesentlich am Toten gewonnen, durch das Studium von Leichen, mit einer Präzision, der wir unglaublich viel verdanken - Mechanikmedizin bei Notfällen und akuten Strukturschädigungen. Physiologie und bildgebende Verfahren erlauben es heute, Prozesse am lebendigen Menschen zu beobachten. Doch der Blick bleibt analytisch: Er zerlegt, misst und isoliert. Das östliche Verständnis basiert auf der Beobachtung der Phänomene, der Wechselwirkungen zwischen den Ebenen und dem Wissen, dass beobachtete Regeln sowohl im Kleinen wie im Großen sichtbar sein müssen.


Exkurs: Interessanterweise kannte auch Europa eine solche Sichtweise: Die Säftelehre nach Hippokrates und Galen ordnete Körper, Temperament und Jahreszeiten den vier Elementen zu. Der Unterschied ist also kein Gegensatz zwischen Ost und West, sondern eine Frage dessen, welcher Blick in einer Kultur lebendig geblieben ist. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung. Im Asana geht es um jene, die das Lebendige als Zusammenspiel von Kräften sieht. Wohin es führt, wenn das Lebendige nur noch in Zahlen und Normwerten gedacht wird, beschreibe ich in [Normwert Yoga].


Das Spiel der Elemente


Daraus ergibt sich, dass Naturphänomene wie Wälder, das Verhalten von Tieren, die Dynamiken am Sternenhimmel und alle körperlichen Funktionen spezifischen Natur-Elementen (Bhutas / Doshas), Seinsschichten unterschiedlicher Feinheit (Koshas) und Energiebewegungen (Vayus, Gunas, Prana) unterliegen. Einfacher ausgedrückt: Der Körper besteht aus den Elementen, wie das Universum aus den Elementen besteht. Für beide gelten dieselben Gesetze und Dynamiken. Beide stehen in Wechselwirkung zueinander.


Im Yoga sollten wir uns vorrangig mit dem „Spiel der Elemente“ beschäftigen, weil sie in die gesamte Yoga-Philosophie eingebettet sind, so auch in die Asana-Praxis. Jede Körperform hat eine spezielle Qualität und somit Wirkung, im Allgemeinen wie auch spezifisch auf die einzelnen Elemente, die wiederum Sinne, Organe und Funktionen steuern bzw. beeinflussen.


Ausrichtung im eigentlichen Sinne


Ausrichtung im Asana ist somit vorrangig einerseits Ausdruck der ineinandergreifenden, interagierenden Elemente-Kräfte, andererseits der bewusste Eingriff in diese Kräfte und deren Beeinflussung, um klar definierte Funktionsänderungen zu provozieren. Dies geschieht in jeder Sekunde unseres physischen Daseins, nur „sehen“ es die wenigsten.


Die Intelligenz des Körpers


Beispielsweise ein Kind, auf das eingeschrien wird: Es nimmt an einem bestimmten Punkt – wenn die Sinnesreizung die Verarbeitungskapazitäten überschreitet – ein ganz bestimmtes Asana ein, mit einer speziellen Mudra und einem speziellen Pranayama. Es hockerlt, zieht die Knie zum Körper und rollt den Kopf ein: eine tiefe Hocke, die an Malasana erinnert und mit dem eingerollten Kopf an Garbhasana, die Embryonalhaltung. Es schließt die Ohren mit den Händen und die Augen – eine kindliche, unvollständige Form der Shanmukhi Mudra, dem Verschließen der Sinnestore, in den Hatha-Schriften auch als Yoni Mudra beschrieben. Und es summt – Bhramari, das „Bienen-Summen“, eines der klassischen Pranayamas der Hatha Yoga Pradipika.


Weinendes Kind, dass sich die Ohren zuhält.


Jedes dieser drei Elemente hat seine Aufgabe. Die Hocke stabilisiert das völlig destabilisierte Erde-Element (Wurzel-Chakra). Das Verschließen der Sinnestore reduziert die Aktivität der oberen Chakras, die Kraft bleibt in der Wurzel – nichts anderes als ein spontanes Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne. Und Bhramari verlangsamt die Prana-Dynamik. Physiologisch lässt sich das so beschreiben: Das lange, summende Ausatmen aktiviert über den Vagusnerv den Parasympathikus und verlangsamt den Herzschlag. In der Folge kann der Blutdruck sinken und die Stressreaktion, also die Ausschüttung von Cortisol und Noradrenalin, gedämpft werden. Zwei Sprachen, ein Vorgang. Dass ein langes Ausatmen tatsächlich den Parasympathikus aktiviert, lässt sich messen – das habe ich in meiner HRV-Messreihe [Yoga in Zahlen] am eigenen Nervensystem dokumentiert.


Bemerkenswert ist: Das Kind hat nie Yoga gelernt. Die Körperintelligenz greift von selbst auf jene Haltung, Mudra und Atemtechnik zurück, die die Hatha-Schriften als Technik beschreiben. Die Schriften haben nichts erfunden – sie beschreiben nur das Beobachtete.


Warum der Körper sich in solchen Momenten setzt, statt zu stehen, beschreibe ich in [Erdung im Stehen?]. Und was geschieht, wenn eine solche Überforderung nicht verarbeitet, sondern als Trauma abgespeichert wird, lest ihr in [Trauma-Yoga?].


Dies ist ein einfaches Beispiel dafür, was „Ausrichtung im Asana“ im eigentlichen Sinne bedeutet – und es geschieht ständig.


Im Workshop


Genau diese Art der Ausrichtung und Wirkung von Asanas ist zentraler Bestandteil des Workshops „Asanas & Philosophie Vertiefung“. Ein tiefes Verständnis davon, wie Körperhaltungen, Handstellungen und Atemtechniken auf unsere Elemente-Kräfte wirken, warum die Körperintelligenz in speziellen Situationen automatisch spezifische Haltungen einnimmt, welche Mechanismen dahinterliegen und wie die Elemente-Kräfte miteinander interagieren, ist die Grundlage, um Asanas auch im modernen Ausführungskontext zu verstehen.


Die vier Spezialthemen des Workshops:

– Trauma – Prana – Handlung – Zwang → [Trauma-Yoga?]

– Was bedeutet Erdung tatsächlich? → [Erdung im Stehen?]

– Die Gefahren einer mechanistischen Yogapraxis → [Normwert Yoga]

– Alignment aus Sicht der Elemente, Gunas und Prana → dieser Beitrag


Mehr zu Inhalt und Hintergrund: [Gedanken & Hintergründe zum Workshop]


Asanas & Philosophie Vertiefung | LebensWelten, Bachstraße 23, 8383 Welten (Burgenland)

Termine: 6. – 8. November 2026 und 26. – 28. Februar 2027

Freitag 16–20 Uhr, Samstag 9–18 Uhr, Sonntag 8–17 Uhr

Echte Kleingruppe, max. 8 Personen. Spezialpreis für den November-Termin: € 360,– statt € 420,–


Asanas & Philosophie Vertiefung | Nov 2026
€360.00
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Asanas & Philosophie Vertiefung | Feb 2027
€370.00
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