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Yoga in Zahlen – ein Schlusswort

19. Sept.
3 Min. Lesezeit

Meine Erkenntnis ist philosophischer Natur in Reinform. Während der heutigen Praxis durfte ich die Natur der Prakrti unmittelbar erfahren: Bewegung. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, die Gedanken "zum Stillstand zu bringen" – deshalb wohl auch die Verwendung des Wortes nirodha, was Kontrolle bedeutet und nicht Auflösung / Stillstand. Ebenso wenig lässt sich psycho-physische Aktivität auf null setzen. Auch die nach außen gerichteten Sinne scheinen sich nicht "abschalten" zu lassen – der Körper nimmt permanent Information über die Sinne auf und verarbeitet sie, sichtbar in den feinen Schwankungen im HF-HRV-Bereich.

Sehr wohl aber gibt es eine Stille, die nicht körperlicher Natur ist. Ich würde sie die "Akzeptanz-Stille der Dinge, wie sie sind" nennen. Ein Einssein von Beobachter und Beobachtung – denn die Beobachtung (Sinneseindruck, Verarbeitung, Bewertung, Reaktion) ist ein Aspekt des Körpers, der durch das Bewusstsein, jene Stille, erst Leben erfährt.

(Mir ist bewusst, dass Samkhya und Advaita Vedanta hier unterschiedliche Sichtweisen vertreten – dies wird an dieser Stelle nicht näher erörtert, ist aber ein zentrales Thema im Workshop "Asanas & Philosophie Vertiefung".)



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Aus dieser verwirklichten Erkenntnis heraus stelle ich auch das Projekt "Yoga in Daten" ein. Warum? Das Wesen des Yoga ist es, sowohl die Natur der Prakrti (Elemente-Körper-Natur) als auch die des Purusa (Geist) zu verwirklichen – mit allem, was dazu im Leben gehört. Es ist eine reine Geisteswissenschaft, die nicht verstanden, sondern vollkommen verwirklicht, das heißt gelebt sein muss.

Ich konnte klar aufzeigen, dass die yogische Praxis eine belegbar positive Auswirkung auf das Zusammenspiel der Nervensysteme hat. Und aus Erfahrung, Studien und Literatur lässt sich auf zahlreiche positive psycho-physische Nutzen schließen.

Letztendlich bewege ich mich mit dieser Art der Beweisführung jedoch in ein westlich-wissenschaftliches Feld, das über Daten versucht, etwas aufzuzeigen. Messbare körperliche Reaktionen wie HF, HRV, Hormone, EEG etc. sind auf der Erkenntnis-Ebene jedoch sinnlose Werkzeuge. Sie beweisen nur Auswirkungen auf den Körper.

Die Gefahr besteht darin, sich im Datendschungel zu verlieren und die gesamte Yogapraxis, von Asanas bis Meditation, zu "verkörperlichen" oder zu "verpsychologisieren". Beides liegt nicht im Wesen des authentischen Yoga und nicht in meinem Interesse. Mein Anliegen ist es das Wesen des Yogas offenzulegen, nicht jene Nebeneffekte, die oftmals als Yoga verkauft werden, wie Stärkung der Körpers und der Psyche, anstelle sie als mögliche Wirkungen zu titulieren. Yoga ist eine zu verwirklichende Philosophie über das Seins-Wesen. Nicht mehr und nicht weniger.

Sehr wohl aber sind die Daten für jene Menschen interessant, die mithilfe yogischer Techniken ihre psycho-physische Gesundung unterstützen oder vorantreiben möchten. Aus diesem Aspekt heraus haben die von mir erhobenen Daten einen wirklichen Mehrwert. Sie laden dazu ein, es mit den einfachsten uns gegebenen Mitteln zu versuchen – die naturgegebenen Selbstheilungsprozesse und die Erkenntnisfähigkeit in hohem Maße zu unterstützen.

Ich beende hiermit das Projekt "Yoga in Zahlen" und fasse die Erkenntnisse zusammen:

  • HF-HRV-Korrelation. Über alle aufgezeichneten Meditationstage hinweg: r = −0,49 zwischen RMSSD und Herzfrequenz – höherer Vagustonus geht über Tage hinweg mit niedrigerer Herzfrequenz einher. Innerhalb einer einzelnen Sitzung verschwindet dieser Zusammenhang fast vollständig (r = 0,10). Gerade in Phasen von "offenen Gewahrsein" zeigt sich eine teilweise Entkoppelung von HRV und Herzfrequenz: Der Vagustonus kann steigen oder hoch bleiben, unabhängig davon, ob die Herzfrequenz selbst sinkt oder steigt. Praktisch heißt das: innere Ruhe ist nicht zwingend an einen "ruhigen" Körper gebunden – sie kann auch bei körperlicher Aktivierung oder Belastung erhalten bleiben. Dies gilt natürlich auch für "Belastungen die von Außen einwirken"!

  • Wirkung auf Parasympathikus. Mittlere RMSSD über alle Tage: 57,6 ms, mit Tagesmittelwerten zwischen 44,5 und 74,6 ms – ein durchgehend erhöhter, reproduzierbarer parasympathischer Grundzustand.

  • Wirkung auf Vagusnerv. Bei 50 % der Tage treten verlässlich unkontaminierte Vagus-Spitzenwerte zwischen 81 und 95 ms auf – also ein wiederkehrendes Muster.

  • Wirkung auf körperliche Prozesse. Die Herzfrequenz liegt während der Meditation an allen Tagen konstant im Bereich 46–54 bpm – ein stabiler physiologischer Ruhezustand über drei Wochen. Tiefstwerte bis 30 bpm.

Was bedeutet das nun konkret, jenseits der Zahlen?


  • Ein regelmäßig erhöhter Vagustonus geht praktisch mit einer gedämpften Stressreaktion einher – der Körper schüttet in belastenden Situationen tendenziell weniger Cortisol und Noradrenalin aus und kehrt schneller in den Ruhezustand zurück.

  • Ein niedrigerer, stabiler Puls im Ruhezustand bedeutet weniger Dauerbelastung für das Herz-Kreislauf-System.

  • Und die parasympathische Grundlage, die sich über Wochen reproduzierbar zeigt, äußert sich im Alltag meist ganz unspektakulär: tieferer Schlaf, weniger muskuläre Verspannung, eine Reaktionsfähigkeit, die auch unter äußerem Druck nicht sofort in Anspannung kippt.

Die Zahlen sind nicht die Erkenntnis – aber sie zeigen, dass die Erkenntnis nicht folgenlos im Körper bleibt.


Die Wirkung sowohl der Konzentrations-Meditation-Praxis und der "offenen Gewahrsein-Praxis" sind besonders intensiv, wenn eine individualisierte, korrekte, den authentischen Schriften entsprechende Asana- und Pranayama-Praxis vorangeganen sind. Die Erklärung liegt auf der pranischen Ebene und ist über physische Aspekte belegbar. All diese Komponenten, Dynamiken und Gesetze sind Inhalt meiner Workshop Trilogie "Authentischer Hatha Yoga in moderner Zeit":


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