Alles oder Nichts — Wenn die eigene Erfahrung zur Frage wird
Es gibt einen Punkt in jeder langen (Behandlungs-)Praxis, an dem "die Hände beginnen, im Schlaf zu wissen, was sie tun". Der Klient entspannt sich, der Schmerz weicht, Dank kommt zurück – und genau in diesem Moment, in dem alles zu stimmen scheint, schließt sich um den Behandler ein Kreis, den er selbst nicht mehr sieht. Der Zweifel hätte diesen Kreis nie ziehen können – er lässt immer einen Spalt offen. Was ihn zieht, trägt keinen Namen einer bestimmten Technik; es wandert mühelos zwischen Shiatsu, Cranio, LomiLomi und jeder anderen Therapieform, die sich über Jahrzehnte "eins geworden sind mit dem Behandelnden". Es ist die Gewissheit. Ein Pfad, der so oft begangen wurde, dass er sich wie der einzig mögliche anfühlt, ist irgendwann nur noch eine Spur im Sand – tief genug, dass niemand mehr fragt, wohin sie eigentlich führt. Auch ich gehe diesen Pfad seit fast drei Jahrzehnten. Und irgendwann beginnt der Pfad selbst, den zu befragen, der ihn geht.
Und es sind Fragen, die man nicht beantwortet. Man trägt sie. Man lässt sie nachschwingen, bis sie selbst beginnen, etwas in einem zu verändern — nicht weil man sie gelöst hätte, sondern weil man aufgehört hat, sie lösen zu wollen und den Fokus weglenkt vom Frageninhalt, hinführt zum Fragensteller.
Mein Workshop "Alles oder Nichts" ist ein solcher Frageversuch: kein Wissenszuwachs, keine Technikverfeinerung, kein weiteres Werkzeug. Sondern ein Wochenende, das an der Wurzel ansetzt — dort, wo jede Behandlung, jede Berührung, jede Begegnung mit unseren Klient*Innen ihren eigentlichen Ursprung hat, lange bevor die erste Berührung geschieht.
Alles oder Nichts | Workshop | 30.10.–01.11.2026 Anmeldung & Details: www.schloss-schule.at/kurse/nichts-workshop

Die Frage hinter der Frage
Spüre ich dich wirklich, wenn ich dich berühre? Kann ich mit absoluter Gewissheit sagen, dass ich Dich spüre, oder "erspüre ich gar nur mein eigenes Ich", mit all den Prägungen, den Wunden und der schleierhaften Gewissheit, schon zu wissen, was "richtig" ist?
Wir Therapeuten — ob Physiotherapie, Psychotherapie, Manualtherapie, ob schulmedizinisch oder alternativ verwurzelt — verwenden Sätze wie "das innere Kind heilen" oder "wir lösen das Trauma auf", oft ohne innezuhalten und zu fragen: Was steht eigentlich dahinter? Welche Konstruktion, welches dynamisches Gesetz könnte sich hier selbst in den Schwanz beißen? Ist es überhaupt die Handlung des Behandlers, die den Selbstheilungsprozess aktiviert — oder ist es etwas anderes: das Energiefeld, die Schwingung, die feinstoffliche Qualität des "in sich Ruhenden", die wirkt, sobald der Klient sie in Hingabe annimmt - die Beziehung?
Vielleicht ist es beides, ineinander verschlungen, ohne dass sich sagen lässt, wo das eine endet und das andere beginnt. Und wenn ein Behandler in jedem Klienten unweigerlich auch etwas von sich selbst wiederfindet – wen berührt er dann eigentlich noch, wenn er glaubt, den anderen zu behandeln?
Keine Antwort — aber ein Weg, sie zu erspüren
Diese Fragen sind keine, die sich rational auflösen lassen. Das Sinnieren über sie ist bereits die Praxis — ein Schwingen im Raum, mit absoluter Aufmerksamkeit, ohne den Klang zu verzerren. Denn jede Antwort, die wir festhalten wollen, ist schon wieder eine Verformung durch das Ich. Die eigentliche Antwort ist eher ein Intuitionsklang, der aus einem Reflexionsraum heraus entsteht — jenes "Etwas", das keine Technik verbessert, kein Wissen vermehrt, und das sich trotzdem in der Qualität der Behandlung niederschlägt. Nicht auf der strukturellen Ebene. Auf der Erkenntnisebene.
Genau deshalb ist Philosophie hier kein Diskurs im herkömmlichen Sinn. Philosophie ist eine zu verwirklichende Geisteswissenschaft — kein Denken über etwas, sondern ein absolutes Empfinden über die Sinne, mit spontaner Erkenntnis. Sie geschieht durch reine Aufmerksamkeit für "jenes, was ist". Und das ist der Grund, warum wir sie an diesem Wochenende nicht besprechen, sondern praktizieren.

Was Dich im Workshop erwarten wird
Zeit und Hingabe sind an diesem Wochenende unsere Verbündeten, und von beiden haben wir reichlich. Allein, isoliert oder in Gemeinschaft; mit einem Partner oder in der Gruppe — wir erforschen jeden Aspekt der Berührung, der Beziehung, und geben uns dieser einen Moment-Beziehung vollkommen hin.
Und vielleicht zeigt sich genau dort, in diesem Sich-Hingeben, etwas, das sonst zu offensichtlich bleibt, um bemerkt zu werden: Wer geht hier überhaupt eine Beziehung ein? Wer berührt eigentlich wen? Wie erleben wir Berührung tatsächlich? Kann Getrenntes jemals zusammenfinden und gibt es die bedingungslose Beziehung?
An diesem Wochenende werden wir uns gemeinsam diesen Fragen widmen und uns verschiedener Methoden, Techniken und philosophischer Ansätze bedienen, um "jenen Zustand hinter den Gedanken" als reflektorischen Spiegel zu erleben.
Für wen dieses Wochenende gedacht ist
Erfahrene Praktiker jedweden Genres — Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Manualtherapeuten, ob aus der Schulmedizin oder der Alternativmedizin. "Alles oder Nichts" ist interdisziplinär angelegt, weil jede Technik nur Ausdruck des Menschen ist, der sie ausübt — seiner Stärke, seines Charmes, seiner Präsenz. Der Workshop dient als Inspirationsquelle und als Reflexionsraum für das, was wir Therapeuten eigentlich versprechen, und auf welchen unbefragten Mechanismen wir dabei ansetzen — etwa dem stillen Automatismus "wenn du gesund bist, dann bist du glücklich".
Konkrete Themen des Wochenendes:
Ich-Behandler und Du-Klient
das Ich und das Trauma
die Illusion der Traumaauflösung
das innere Kind und der Affengeist
Gesundheit als Basis von Glückseligkeit?
Wenn diese Fragen dich nicht mehr loslassen, wenn du merkst, dass die Antwort nicht im nächsten Seminar über eine neue Technik liegt, sondern in einem anderen Blick auf das, was du längst tust — dann bist du an diesem Wochenende richtig.
Alles oder Nichts | Workshop | 30.10.–01.11.2026 Anmeldung & Details: www.schloss-schule.at/kurse/nichts-workshop



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