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Authentische Pranayama- und Asana-Praxis | die Unterschiede zu Ausgleichssport und Breathwork

vor 59 Minuten
3 Min. Lesezeit

Es gibt ganz zentrale Unterschiede zwischen körperlicher Yogapraxis — Asanas und Pranayama — und sogenanntem Gesundheitssport bzw. modernen Atemtechniken. Und diese liegen in der Ausführungsqualität, der Kompensationstechnik sowie der Kontrollkraft.

Das allgemeine und zumeist unhinterfragte Narrativ lautet: Sport ist gesund — Extremsport ist hier ausgeklammert. Natürlich gibt es wiederum diametrale Ansichten, ob mehr Kraftsport oder mehr Ausdauersport, aber so gut wie alle sind sich einig, dass durch eine erhöhte Belastung während des Sports es in der Regenerationsphase zu positiven Adaptationserscheinungen kommt — wie der Stärkung des Herzkreislaufsystems oder psychische Ausgeglichenheit.

Kann man das unhinterfragt so stehen lassen? Man kann — muss aber nicht.

Im Sport kommt es durch eine erhöhte Muskelarbeit gegen Widerstand zu einer intensiveren Atmung, einer Erhöhung der Herzfrequenz. Die zumeist angewandte Atemtechnik dabei hat aber einen Haken — sie aktiviert das sympathische Nervensystem. Der Körper läuft also im Kampf-Flucht-Stress-Modus, speziell ab höher-moderaten Intensitäten.

Authentischer Pranayama | Nadi Shodhana, traditionell mit Mantra praktiziert



Diese Aktivierung verändert nicht nur spezifische Musterspeicherungen — wie „Bedürfnis auf Schmerz-Leid-Lust" oder „Bedürfnis auf Druck-Stress-Befriedigung", was ein eigenes Thema für sich ist (Workshop "Leitfaden zur täglichen Yogapraxis" und "Asanas & Philosophie Vertiefung") — sondern verändert auch die Blutchemie. In diesem Modus produziert der Körper Adrenalin und schüttet massiv Cortisol aus.

Einfach gesagt: Ja, es kommt zu Adaptationsprozessen — aber erst in der Regenerationsphase. Während der Impulssetzung ist der gesamte Körper im Stressmodus. Ob das intelligent ist, ist zumindest zu hinterfragen.

Und doch berichten die meisten, dass ihnen diese Art der Bewegung gut tut, dass sie danach ausgeglichen sind. Vielleicht weil sie sich auf Leid-Schmerz-Lust programmiert haben? Weil sie sich erschöpfen — physiologisch wie nerval. Danach folgt, gemäß der guna-Lehre, immer eine Ermüdungsphase — die speziell jene Menschen, die auf Druck programmiert sind, beispielsweise gut schlafen lässt. Völlig anders jedoch für andere Konstitutionstypen oder bei speziellen langanhaltenden Dysharmoniemustern.

Kennst du das – erschöpft, aber „gut" schlafen, weil du dich vorher ausgepowert hast? Frag dich: ist das Ausgleich oder nur Anpassung an Stress? Das soll die gesunde Mitte sein?

Asana-Praxis ist vollkommen anders — wenn sie authentisch praktiziert wird. Die Wirkung der Asanas auf das Herz, die Arterien und Venen ist teils enorm — aber nicht durch eine erhöhte Herzfrequenz, sondern durch eine massive physische Druck- oder Zugerhöhung auf die spezifische Struktur.

Das mag kontraintuitiv klingen, aber: eine echte Asana-Praxis führt bereits für sich genommen zu einer wesentlich geringeren Erhöhung der Herzfrequenz als vergleichbare sportliche Belastung — und das, obwohl Asana und Pranayama zwei vollkommen getrennte Praktiken sind. Der Atem wird hier meist nicht willentlich reguliert. Er reduziert sich in einem authentisch gehaltenen Asana von selbst auf ein Minimum, zeigt eine klar definierte Qualität und ist kaum wahrnehmbar.

Das ist die unmittelbare Folge von "Sthira Sukham Asanam": Der eigentliche Schlüssel liegt nicht im Atem, sondern in der Geisteskontrolle innerhalb der Haltung. Auch die Cortisol-Ausschüttung fällt dadurch deutlich geringer aus — selbst bei komplexen Asanas, und vielleicht vermindert sich dabei auch die Stressreaktivität des Nervensystems. Denn das eigentliche Ziel der Asana-Praxis sind nicht körperliche Verbesserungen, sondern die Erlangung einer wesentlichen Fähigkeit, die die Basis für Pranayama bildet.



assPrem in traditioneller Pranayama-Sitzhaltung mit aufrechter Wirbelsäule und geschlossenen Augen.


Die These lautet also: Die Stärkung des Herzkreislaufsystems erfolgt unmittelbar während der Praxis — anders als beim Sport. Ohne dass das Herz schneller schlagen muss und sich dadurch erschöpft. Trotzdem kommt es zu denselben physiologischen Effekten — wie Blutdruckharmonisierung und Reduktion der Ruhe-Herzfrequenz und Leistungs-Herzfrequenz — aber ohne den psycho-physiologischen Stressmodus zu aktivieren.

Der Unterschied ist gravierend. Denn wenn psychisch erschöpfte — Sympathikus hoch — Personen versuchen, mit Sport einen Ausgleich zu erzielen — Sympathikus hoch — wird es langfristig zwangsläufig zu massiven Störungen kommen.

In der yogischen Überlieferung heißt es dazu: Sonne-Mond ist Harmonie. Links-rechts. Sympathikus-Parasympathikus. Einatmen-Ausatmen. Mond auf Mond wird Depressionserkrankungen bringen. Sonne auf Sonne wird manische Probleme bringen.

Der Schlüssel — welches Nervensystem aktiviert wird — liegt in der Atemkontrolle, der Atemtechnik und Atemqualität. Dieses Wissen ist vor allem für jene Personen von immenser Wichtigkeit, die traumatisiert sind und deshalb intensive Breathwork-Techniken praktizieren, die Kundalini-Yoga praktizieren — oder versuchen, mit Sport in einen Zustand der Harmonie zu gelangen, welcher nicht zwangsläufig gleichzusetzen ist mit guten Leistungsdaten.

Authentischer Pranayama verfolgt dabei eine andere Zielsetzung als modernes Breathwork — und verwendet andere, sehr spezifische Technikqualitäten - auch wenn alles ganz ähnlich ist, ist es zum Teil grundverschieden. Denn intensive Pranayama-Techniken sind nur für Menschen mit genau definierten Fähigkeiten, Lebensweise und Verhaltensweise, sowie psycho-physischer Gesundheit erlaubt. All diese Aspekte – die kleinen Zahnrädchen, die Gesetze und Dynamiken im Hintergrund – sind die zentralen Themen des Workshops 'Authentischer Pranayama'.

Kommender Workshop in SALZBURG | 16. bis 18. Oktober im Gesundheitszentrum Itzling, Erzherzog-Eugen-Str. 14, 5020 Salzburg | Preis: € 360,-| Echte Kleingruppe. Anmeldung direkt unter lebens-welten.at/yoga/authentischer-pranayama

 
 
 

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