Yogischer Kopfstand und WorkLifeBalance


WorkLifeBalance ist in der heutigen Zeit ein vielstrapazierter Begriff, der, simpel betrachtet, sehr einleuchtend, logisch und sinnvoll erscheint, was dieser, entsprechend einer bestimmten Bewusstseins-Position auch ist, jedoch auch fatal enden kann.

 

Betrachtet man das Wort "WorkLifeBalance" impliziert es einen harmonischen Ausgleich zwischen "Arbeit" und "Leben" und genau hier liegt die Wurzel zum Übel bzw. bedarf es einer klaren Herangehensweise betreffend des Bewusstseinszustandes.

 

Beginnend bei der Definition von "Work" werden die meisten Menschen ihre berufliche Tätigkeit meinen, also jene Tätigkeit die (in der heutigen Zeit absurderweise) notwendig ist, um die Lebenserhaltungskosten (und mehr) zu erwirtschaften. Der Begriff "Life" wiederum umschreibt zumeist die Idee von Freizeit bis Familie / Freunde, pointiert festgehalten trennt man nun die Zeit in negativ bewertet (Arbeit) und jene Zeit, die genossen werden kann (Life).

 

Wie allgemein bekannt, funktioniert das Gehirn, jene die Illusionen produzierende Stätte, auch gespiegelt, d.h. wenn man z.B. einem kleinen Kind mit 6 Jahren sagt: "Jetzt beginnt der Ernst des Lebens (Schule), WENN du was lernst, DANN WIRST du …", spiegelt der Verstand die umkehrende-umgekehrte tiefere Bedeutung, d.h. ab nun glaubt das Kind an eine gewisse illusorische "Unvollkommenheit" (es beginnt sich somit mit Fähigkeiten zu identifizieren - "Kurz'sche" Leistungs-Identifikation und erlernt die Trennung in fiktives gut-neutral-schlecht) und steht im Spannungsfeld der "vergessenen Vollkommenheit" (आत्म ātma, das Selbst) und "Ich-Illusions-Optimierung" (अहंकार ahaṃkāra / Ich-Ego-Macher)

 

Exakt dies passiert auch, wenn man das Leben beginnt zu sezieren und in verschiedene Kategorien-Leben zu unterteilen und bewertet. Nun entsteht die geradezu fürchterliche Idee, dass das Leben "superleiwand" nur in Spezialsegmenten stattfindet, der Rest jedoch nötiges Übel ist (12 h Arbeit, 8 Stunden Schlaf, 2 Stunden An-Abreise und Einkäufe, 5 Wochen Lebenszeiturlaub). Ab diesem Punkt erwächst der "notwendige Wunsch" zur sinnlichen Ausgleichs-Befriedigung zur "lebens-toten" Zeit zu ihrer Höchstform, ob Sportkick, Lifestylehype bis komatöses Rest-on-Beach, meist radiotechnisch hypnotisierend unterstützt durch "Heute ist Montag, nur mehr 4 Tage, dann …" und je intensiver die gedankliche Trennung stattfindet, je höher die Negativbelastung ist, desto intensiver muss der Ausgleich stattfinden.

 

Auch wenn sich der Yoga kaum bis gar nicht mit dieser Geschichte beschäftigt, ausschließlich mit der Erforschung der Gesetzmäßigkeiten und Funktionsweisen, bietet der Yoga einen Hafen der Stille, in der jede Polarität überwunden sein kann.

 

Authentischer Yoga bewirkt, dass die Aspiranten Schritt-für-Schritt oder spontan erkennen, dass das, was wir als Zeit wahrnehmen, eine angsteinflößende Idee ist, mehr aber auch nicht und dass aus dieser heraus eine Trennung in "wertvoll", "neutral" und "grauenvoll" entsteht, aus dem simplen Grund, da das Gehirn nur dual, einschränkend und trennend arbeiten kann, so wie es den Raum in Bezug auf ein "Ich" kreiert.

 

Wenn Patanjali im Sutra 1.2 schreibt:

"Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedankenwellen im Geiste" (योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः / yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ)

erahnen wir bereits, dass die sinnlichen Wahrnehmungsfenster zu schließen sind, um in einen spontanen und die Einheit, das Sein, zu verwirklichenden Bewusstseinszustand einzutreten. Aus diesem Grund ist auch die Stufe des "Sinnesrückzuges" von enormer Bedeutung.

 

Anhand von dem āsana शीर्षासन śīrṣāsana, dem Kopf(spitzen)stand, kann man das Spannungsfeld zwischen dem Seins-Zustand und dem Mind-Verstand-Sinnes-Zustand sehr leicht erfassen:

 

Oftmals wird uns gesagt, dass im Kopfstand sich die Welt auf den Kopf stellt und man so eine andere Sichtweise auf diese erlangt.

 

Analytisch-rational-emotional bewirkt dies, dass man erkennt, wenn man nur seine Position im Raum ändert, sich sogar die Sichtweise auf die (phänomenalen) Dinge ändert. ObenUnten, LinksRechts, ErfolgreichNichtErfolgreich, GutBöse, UntenOben sind Wahrnehmungen im (scheinbar) Äußeren, die der Mind, je nach Position (Erfahrungen, Erinnerungen, Meinungen) interpretiert. Ändert man nur eine Variable, so ändert sich die Meinung (oft verwechselt mit Wahrheit). 

 

Nun kann man oftmals lesen und hören, dass wenn man in den Kopfstand geht, man die Dinge nachher positiver wahrnimmt. Genau hier trifft sich śīrṣāsana mit WorkLifeBalance im Sinne des Minds-Verstandes - weiterhin besteht Trennung.

 

Die Essenz von śīrṣāsana jedoch ist zu erkennen, dass die Meinung variabel ist, dass rationales Wissen standpunktbezogen und parameterabhängig und in seiner Natur variabel ist. Niemals ging ist darum in dieser Veränderung-Werden-Idee weiter zu forschen, rein die Erkenntnis, dass alles sinnlich Wahrnehmbare variabel ist, ist die Krönung von śīrṣāsana, denn in der Sekunde des puren Gewahrseins dieser Erkenntnis wird sich der / die Praktizierende mit JENEM identifizieren, was ist, der reinen Seins-Natur, unveränderlich, unbedingt, ungeboren, unveränderbar, unbeschreiblich.

 

Und was bedeutet das im Alltag?

 

Es bedeutet völlige Gelassenheit der Geschehnisse in der phänomenalen Welt gegenüber . Es gibt keine Unterscheidung oder Trennung, alles ist Ausdruck des Seins, aus dem Sein heraus, im Sein und durch das Sein.

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